Sommer, Sonne und religiöse Vielfalt.

Vom 10. – 16. Juli 2013 nahmen Jugendliche der evangelischen Kirchengemeinde Bukarest das Angebot einer ausgewogenen Mischung von Kultur, Geschichte, religiöser Identität und Badespaß an den Stränden des Schwarzen Meers wahr.

Im evangelischen Ferienheim von Techirghiol, abgeleitet aus dem türkischen Tekirgöl, das heißt so viel wie „der See des Tekir“, hatten wir unsere Unterkunft. Das evangelische Ferienhaus war einst die deutsche katholische Schule von Techirghiol. Diese Erwarb die evangelische Kirchengemeinde Bukarest noch zu kommunistischen Zeiten und baute diese zu einem Ferienhaus um. Seitdem können sich kirchliche Angestellte und kirchliche Gruppen, aber auch Gäste von außerhalb, erholen. Von da aus Unternahmen wir unsere Ausfahrten in das Hinterland der Dobrudscha und die nahegelegenen Strände. Wir hatten uns nämlich auch pädagogische Ziele gesetzt. Vormittags lernten wie die reiche Geschichte der Dobrudscha und ihre religiöse Vielfalt kennen, nachmittags erholte man sich am Strand. Die Dobrudscha ist ein Landstreifen, der bis 1879 zum osmanischen Reich gehörte und dementsprechend geprägt ist. In der Altstadt von Constanta steht die große „Kralsmoschee“, benannt zu Ehren des rumänischen Königs Karl, der den Bau dieser Moschee erlaubte. Hier begegnete die Jugendgruppe ein erstes Mal dem Islam. Der Islam ist seit dem Mittelalter fester Bestandteil dieser Region. Weiter galt es auch die Geschichte der deutschen Bevölkerung der Dobrudscha zu erforschen. Die Frage wieso es eine ehemalige deutsche Schule in Techirghiol gibt, konnte auf diese Weise erläutert werden. Wir besuchten die ehemaligen deutschen Gemeinden von Karamurat (heute Koglaniceanu) und Colelia. In Kogalniceanu trafen wir den katholischen Pater.

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Da gibt es nämlich noch eine aktive Gemeinde und die Kirche ist sehr gut erhalten. Das hat etwas damit zu tun, dass nach der Umsiedlung der deutschen Bevölkerung katholische Gläubige aus der Moldau in kommunistischer Zeit hier einen Arbeitsplatz fanden.

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Diese Menschen versammeln sich nun regelmäßig im Gotteshaus, das dem heiligen Antonius von Padua geweiht ist. Colelia liegt etwas versteckt abseits des Tourismus im Hinterland. Das leergebliebene Dorf selber existiert nicht mehr. In den fünfziger Jahren wurde da Mazedo – Rumänen angesiedelt, diese konnten sich da aber irgendwie nicht heimisch fühlen und verließen dieses. Die Häuser verschwanden bzw. verwandelten sich in Erdenhügel. Nur die Kirche hielt sich tapfer und verwandelte sich in eine Ruine die bis 2006 ein malerisches Bild abgab beim Sonnenuntergang im freien Feld. Dann kam der Vorschlag von dem Erzbischof Teodosie von Tomis ein orthodoxes Kloster hier zu errichten. Eine Nonne wurde beauftragt dies durchzuführen. Nur fehlte es an Geld. Als aber George Becali für die Sache begeistert werden konnte, fehlte es nicht mehr an Geld. Die Kirche wurde in einer etwas eigenartigen Weise wieder renoviert und rundum entstanden die Klosteranlagen. Es heißt, dass heute Stunden aus Constanta gerne hinkommen um sich da für ihre Prüfungen vorzubereiten. Mit den gewonnen Eindrücken ging es wieder Richtung Meer. Nicht weit war Jurilovca.

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So nahmen wir die Gelegenheit war und setzten mit dem Schellboot eines jungen Lipovenen rüber nach „Gura Portitei“. In der Idylle dieser Sandbank zwischen Meer und Razim See ließen wir den Tag ausklingen.
Am Sonntag, den siebten nach Trinitatis, feierten wir einen gemeinsamen Gottesdienst mit Heiligem Abendmahl mit der Gemeinde in Constanta. Anschließend kamen wir bei Erfrischungsgetränken ins Gespräch mit den Gemeindemitgliedern. Heute ist eine gemischte Gemeinde. Einige sind aus Siebenbürgen hingezogen, andere wiederum sind die Nachfahren der ehemaligen Dobrudschadeutschen. Kurator Freimeyer erzählte uns ausführlich über die Geschichte der Gemeinde und ihre aktuelle Lage ein. Nach den vielen Eindrücken gab es dann noch den Montag mit Freizeitaktivitäten, bevor es dann wieder in die Hauptstadt ging.

Uwe Seidner / Wolkendorf.