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Die von Bukarest aus betreute Diaspora

 

Nicht überall und auch nicht an jedem Sonntag gibt es die Möglichkeit am evangelischen Gottesdienst teilzunehmen. Das ist leider die Erfahrung, die die Gemeidegleider im Altreich- abgesehen von Bukarest -machen müssen.

Für diese- auf der Karte rot angezeichenten Gemeinden- weiß sich die Bukarester Gemeinde auch verantwortlich zu kümmern. Zu den feierliche Anlässen in Bukarest werden oft Gemeinden aus der Diaspora eingeladen, meist trägt die Bukarester Gemeinde die Kosten für den gottesdienslichen Einsatz und das gibt es auch, Lektoren halten- vor allem um die Hochfeste herum- in Bukarest den Gottesdienst, damit die Pfarrer alle Diasporagemeinden abdecken können.
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In einer der Gemeinden wird aus Bukarest monatlich gefahren, und zwar, die Gemeinde im Bild, Ploiesti. Das ist von der Nähe zu Bukarest auch möglich. In den mehr entfernten Gemeinden wird 3-6 Mal im Jahr gefahren.

Vom Empfinden würde ich die 6 Gemeinden die von Bukarest aus betreut werden, mit ihren gesamt knapp 100 Gemeindegleidern, in 2 Kategorien einteilen. Zur ersten zählen sich die Gemeinden Jassy, Ploiesti und Konstanza-

die Gemeinde im Bild. Das sind die erfreulichen Fälle, wo noch implizierte Leute da sind und wo von einem gewisenen Gemeindepotential gesprochen werden kann- so wie: Gemeinschaftsgefühl, Instandhatung der Kirche bzw. des Gemeinderaumes, Bescherungen, eigene Einnahmen und, wie manche Kollegen es wohl auch aus ihren kleinen Gemeinden kennen, bei den 20-25 Gemeindegliedern, ein Gottesdienstbesuch, durch die Mit-Teilnahme der Sympathisanten, vonmeist über 100 Prozent.

Es sind Gemeinden, wie zb in Jassy, mit einem beispielhaften Gemeinschaftsgefühl, wo der Bedarf, Gottesdienst zu feiern, sehr groß ist. Oder wenigstens, viel größer als unsere Möglichkeiten hinzufahren. Deshalb hat die Gemeinde Jassy eine Lektorin vor Ort, so dass jede zweite Woche ein Wortgottesdienst stattfindet. Jeder von einem Pfarrer abgehaltener Gottesdienst sondert sich vor allem dadurch ab, dass es ein Abendmahlsgottesdienst ist. Erfeulich ist dann in diesen Gemeinden auch, wenn sich noch etwas tut, wenn beim Kirchengebäude noch was getan wird, wenn hier und da eine Taufe, eine Trauung oder Konfirmantion stattfindet.

Ganz andere Erfahrungen haben wir in den anderen drei Diasporagemeinden um Bukarest: Campina, Pitesti, und Braila.

Als Beispiel, Braila. Eine renovierte Kriche gibt es auch dort. Das sehen Sie im Bild. Vielversprechend, würde man meinen. Aber beim näheren Hinsehen bemerken Sie schon das Lokalkolorit dieser Kirche:Bild1

Ein feste Burg ist unser Gott, so steht die Inschrift über den Haupteingang. Doch alles andere lässt uns erkennen, dass es eine von den orthodoxen Geschwistern genutzte Kirche ist. Diese haben sich irgendwann Mal verplflichtet, als Gegenleistung zu der Nutzung der Kirche, ein Gemeindesall gleich nebenan zu bauern, so dass die wenigen hinterbliebenen Evangelischen vor Ort den Raum für den Gottesdienst verwenden können. Doch auch heute wird der evangelische Gottesdienst in der Kirche gefeierte, und nicht, weil es im Gemeindesaal immer kalt ist. Nein, weil es nie zum Bau dessen gekommen ist, denn die Pächter der Kirche sind ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen.

 

Und so wie die Kirche in Braila jetzt aussieht, mehr orthodox als evangelisch, so sind dort auch die wenigen Gemeindeglieder. Die Gemeinde in Braila verschafft uns dieses Bild vom Leben in der Diaspora, in den außer der geistlichen Betreuung nicht mehr viel gemacht werden kann. Eine Gemeinde, die sich auch selber nicht zu helfen weiß und kann. In diesen drei Gemeinden werden wahrscheinlich, wenn noch überhaupt, in zehn Jahren nur noch einzene Gemeindeglieder vorzufinden sein.

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Und es fällt schwer, alle diese sechs von Bukarest aus betreuten Gemeinden anschauend, etwas aufzubauen, da kein Pfarrer regelmäßig vor Ort sein kann um den Bedürfnissen der Gemeinden recht nachzukommen.

Bis auf die langen Wege, die wir von Bukarest aus zu fahren haben, sind es doch die gemischten Erfahrungen, die auch viele anderen Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche machen: Die treue Gottesdienstbesucherin aus der einen Gemeinde ist verstorben, die Ansprechsperson aus der anderen Gemeinde ist zu alt und krank geworden, um sich um die Angelegenheiten zu kümmern. Der alte Gottesdienstraum kann nicht mehr in Stand gehalten werden und desgleichen. Aber auch: da ist noch die eine Familie, die alles im Griff hat, da sind nach jahrelanger Pause wieder zwei Konfirmanden. Oder die Kirche in der einen oder anderen Gemeinde wurde endlich renoviert.

 

Pfr. A. Pinte